Anlageklassen

Möchte man sein Vermögen für später bewahren, so kommt man nicht umhin, eine geeignete Geldanlage zu suchen. Diese werden in sogenannte Anlageklassen eingeteilt. Die wichtigsten werden hier kurz beschrieben und kommentiert.

Spareinlagen und andere liquide Mittel

Spareinlagen, Guthaben auf Konten und Bargeld unter dem Kopfpolster – das sind liquide Mittel, die man jederzeit ausgeben kann. Eine Sonderform sind gebundene Sparbücher, deren Guthaben auf längere Zeit fix angelegt ist und nur unter Abzug von Strafabschlägen behoben werden kann. Aufgrund der mangelnden Flexibilität und der trotzdem negativen realen Renditen empfehlen wir derzeit, kein Geld länger als 6 Monate auf einem Sparbuch zu binden. Solange die Zinsen (nach Abzug der KEST) niedriger sind als die Inflation, erwirtschaftet ein Sparbuch einen Nettoverlust. Spareinlagen haben jedoch ihre Berechtigung als Liquiditätsreserve. Wir empfehlen, für unvorhergesehene Ausgaben ca. das dreifache Nettomonatseinkommen in einer solchen Anlageform zu parken.

Anleihen

Anleihen werden von einem Schuldner begeben, der sich auf diesem Weg Geld ausborgt. Bei Staatsanleihen ist ein Staat der Schuldner, bei Unternehmensanleihen ein Unternehmen. Das wesentliche Risiko besteht darin, dass ein Schuldner nicht mehr fähig oder willig ist, seine Schulden zu begleichen. Daneben unterliegen Anleihen einem Kursrisiko während der Laufzeit und dem vollen Inflationsrisiko. Letzteres kann bei speziellen Formen durch eine Bindung der Rückzahlung an den Verbraucherpreisindex ausgeschaltet sein.

Aktien

Aktien sind Anteile an Unternehmen: an den Fabriken, dem Know-how, den Patenten und den Marken. Sie sind also verbriefte Sachwerte und unterliegen nicht der Inflation. Sie unterliegen jedoch einem beträchtlichen Kursrisiko. Kauft bzw. verkauft man Aktien zum falschen Zeitpunkt, fährt man Verluste ein. Zudem kann ein Unternehmen aufgelöst werden, womit die Aktien wertlos werden. Andererseits bestehen viele Unternehmen schon länger als die Republik Österreich und sind auch deutlich weniger verschuldet. Das Investieren in einzelne Aktien benötigt also ein gewisses Maß an Sachkenntnis, weswegen Privatanleger diese Auswahl besser professionellen Fondsmanagern überlassen. Langfristig bringen Aktien den höchsten Ertrag aller Anlageklassen.

Immobilien

Immobilien wie Grundstücke und Gebäude eignen sich sehr gut zur Bewahrung des Vermögens, weil sie langfristig einen Wert haben. Trotzdem gibt es auch hier ein Kursrisiko, denn der Wert schwankt mit dem Vermögen, das potenzielle Käufer zur Verfügung haben. Die Finanzkrise 2008 wurde von zu hohen – und dann fallenden – Immobilienpreisen in den USA eingeläutet. Zudem besteht bei Immobilien das Problem der intransparenten Bewertung. Mit falsch bewerteten Immobilienfonds und Immobilienaktien haben schon viele Anleger ihr Geld verloren. Auch hier ist also das Fachwissen ausschlaggebend. Eine selbst genutzte Immobilie im Eigentum bietet die Sicherheit eines leistbaren Wohnraums, ist aber nur unter bestimmten Bedingungen eine profitable Investition. Zinshäuser, Vorsorgewohnungen und Bauherrenmodelle liefern langfristig stabile und großteils wertgesicherte Erträge.

Edelmetalle

Für Anlagezwecke sind hauptsächlich Gold und Silber gebräuchlich, daneben werden noch Platin und Palladium für Münzen und Barren verwendet. Silber ist im Gegensatz zu Gold auch ein wichtiger Industrierohstoff, weswegen der Silberpreis auch konjunkturabhängig ist. Zudem ist der Silbermarkt kleiner als der Goldmarkt und deshalb anfälliger für extreme Kursausschläge. Gold ist das weltweit anerkannteste Tauschmittel außerhalb der gängigen Papierwährungen. Tatsächlich hat Gold einen wesentlichen Vorteil: Im Gegensatz zu anderen Vermögenswerten ist es noch nie wertlos geworden und eignet sich deswegen ausgezeichnet als Krisenvorsorge. Nicht einmal Verstrahlung durch einen Atomunfall kann ihm etwas anhaben. Andererseits haben Edelmetalle auch ihre Nachteile. Sie liegen nur herum und erwirtschaften daher keine Erträge. Der Wertzuwachs beruht rein auf dem relativen Verhältnis zu anderen Anlageklassen – also auf Spekulation. Wir empfehlen einen Edelmetallanteil im Portfolio als Krisenvorsorge für den Fall eines Währungsverfalls.

Rohstoffe

Rohstoffe der Industrie und aus der Landwirtschaft werden laufend benötigt. Daher haben sie stets einen Wert und eignen sich grundsätzlich auch als Inflationsschutz. Zwar gibt es auch hier Kursschwankungen, doch beruhen diese hauptsächlich auf dem Konjunkturzyklus und Abbau- bzw. Ernteergebnissen. Rohstoffe selbst erwirtschaften keine Renditen und sind als Anlageklasse daher spekulativ.

Welche Renditen bringen die einzelnen Anlageklassen?

Anlageklasse Index 1970-1980 1980-1990 1990-2000 2000-2010 1970-2010 p. a.
Aktien S&P 500 TR 6% 132% 279% -11% 739% 5,50%
DAX -34% 125% 271% -8% 407% 4,10%
Staatsanleihen REXP 19% 59% 77% 41% 368% 3,90%
Immobilien Case-Shiller-Index 3% 10% 10% -2% 21% 0,50%
Rohstoffe CRB-Index 42% -55% -22% 14% -43% -0,90%
Edelmetalle Silber 348% -83% -17% 420% 230% 3,00%
Gold 644% -58% -47% 302% 562% 4,80%

Tabelle 1: Renditen unterschiedlicher Anlageklassen 1970-2010 (preisindexbereinigt)

Betrachtet man die Tabelle 1, so erkennt man einen wesentlichen Unterschied. Bei nur geringfügig höheren Durchschnittsrenditen weisen Aktien und Edelmetalle deutlich höhere Schwankungen auf als Staatsanleihen. Während man mit letzteren in jedem Jahrzehnt einen Wertzuwachs erzielen konnte, gab es bei Aktien und Edelmetallen auch Jahrzehnte, die Verluste einbrachten. Dies erklärt zum Teil, warum Staatsanleihen als sichere Anlageform gelten und die bevorzugte Anlageklasse von Lebens- und Pensionsversicherungen sind.

Kann das sein? Gibt es eine sichere Anlageklasse? Die Antwort ist leider nein, denn in der obigen Tabelle wurden nur 4 Jahrzehnte analysiert. Leider stehen diese Daten nicht für die letzten 500 Jahre zur Verfügung, denn dann würde man sehen, dass auch Staatsanleihen hin und wieder crashen. Diese Crashs treten lediglich seltener auf als die Crashs am Aktienmarkt und betrafen in den letzten 40 Jahren nur Staaten, in denen die Österreicher nur wenig investiert hatten (z. B. Argentinien). Die folgende Tabelle 2 ist aus diversen Quellen zusammengestellt und zeigt den Maximum Drawdown unterschiedlicher Anlageklassen der letzten 100 Jahre.

Anlageklasse Index Max. Drawdown 1910-2010
Aktien S&P 500 TR -80%
DAX -74%
Staatsanleihen Ö 1/VPI -99,993%
Sparguthaben Ö 1/VPI -99,993%
Immobilien Case-Shiller-Index -35%
Rohstoffe CRB-Index -54%
Edelmetalle Silber -96%
Gold -81%

Tabelle 2: Max. Drawdown 1910-2010 (preisindexbereinigt)

Der Maximum Drawdown gibt an, welchen Anteil seines Vermögens man in dieser Anlageklasse maximal verlieren konnte, wenn man zum ungünstigsten Zeitpunkt investiert hatte und dann zum Tiefstkurs wieder verkauft hatte. Hier sieht man, dass die absolut größten Verluste bei Staatsanleihen und Sparguthaben eingetreten sind. Einige unserer Großeltern und die meisten unserer Urgroßeltern haben erlebt, dass ihre gesamten Ersparnisse weg waren. Besonders wichtig ist hier zu bemerken, dass sich Kurse von Sachwerten wie Aktien und Rohstoffen nach Crashs irgendwann wieder erholen, während ein Währungscrash endgültig ist.

Ein weiteres Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit ist der Staatsbankrott Argentiniens im Jahr 2002. Dort verloren die Sparguthaben 41% ihrer Kaufkraft und blieben auf diesem Verlust dauerhaft sitzen. Der argentinische Aktienindex MERVAL hatte zwar im ersten Moment einen ähnlich hohen Kaufkraftverlust zu verzeichnen, doch innerhalb von 2 Jahren konnte sich dieser wieder erholen und die Verbraucherpreissteigerung ausgleichen. Auch dort war also der Sachwert im Endeffekt sicherer als das Sparbuch.

Eine Anlageklasse für sich alleine ist aber jedenfalls riskanter als eine Kombination unterschiedlicher Anlageklassen. Teilt man sein Vermögen auf, so rettet man im Falle eines Crashs zumindest den anderen Teil.

Zur weiterführenden Betrachtung dieses Themas habe ich den Artikel “Die sichere Geldanlage – ein Mythos” verfasst (Download PDF).

 

Quellen

http://wapedia.mobi/de/Goldpreis?t=5.
http://www.markt-daten.de/charts/inflationsbereinigt/typ1.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/DAX
http://www.statistik.at/Indexrechner/Controller
http://www.geldschein.at/banknotengeschichte5.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Case-Shiller-Index#Historischer_Überblick
http://inflationdata.com/inflation/Inflation_Calculators/Inflation_Calculator.asp#calcresults
http://de.wikipedia.org/wiki/CRB_Index
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Silberpreis_in_Dollar.png&filetimestamp=20110522112854
http://www.tradingeconomics.com/argentina/stock-market
http://de.wikipedia.org/wiki/Argentinien-Krise#Kapitalflucht.2C_Bankenchaos_und_Abwertung_.28November_2001_bis_April_2002.29